Gottfried Schatz Research Center | Makroskopische und klinische Anatomie

Medizinische Universität Graz

O. Univ.-Prof. Dr. med. Friedrich Wilhelm Albert Müller

   *26.06.1873 in Berlin
   +23.04.1933 in Jena


 

Friedrich Wihelm Albert Müller, in Berlin am 27.6.1873 als Sohn eines Fabrikanten geboren, studierte ab 1893 in Medizin, machte nach dem Physikum ab 1895 Laborarbeiten und arbeitete dort 1896/97 auch als wissenschaftliche Hilfskraft. Nach der Promotion 1897 war er bei H. Virchow ein Jahr Volontärassistent und ging nach dem medizinischen Staatsexamen im März 1898 als Privatassistent nach Tübingen zu Froriep. Nach Disselhorsts Weggang wurde er 1898 2. Prosektor und 1908 apL Professor. Während des Kriegs 1914-1918 war er einberufen, aber als Stabsarzt der Reserve am Reservelazartt in Tübingen tätig, sodass er sich weiterhin am Unterricht beteiligen konnte. 1916 erhielt er einen Lehrauftrag für topographische Anatomie und wurde zum 1.10.1918 als Nachfolger Heidenhains 1. Prosektor und Extraordinarius. Einem Ruf auf das anatomische Ordinariat in Graz folgte er zum 1.4.1924. Er starb an Lungenentzündung beim Besuch seiner Tochter in Jena am 23.4.1933.

F. W. Müller fixierte als einziger Anatom 1905 und 1907 je einen zum Tode verurteilten Gehenkten in seiner senkrechten Stellung, präpariete diese schichtweise und machte immer wieder Gipsabgüsse davon. Diese einmaligen naturgetreuen Modelle wurden später von einer Modellfirma übernommen und sind wohl in den meisten Anatomien der Erde ein hervorragendes Lehrmaterial, weil bei der üblichen Leichenanatomie sonst stets nur der liegende Körper zur Kenntnis kommt. Ebenso fertigte er etwa zehnfach vergrößerte Zahnmodelle an, die ebenfalls von einer Modellfirma übernommen wurden. Außerdem präparierte er ca. 100 Präparate für Demonstrationszwecke, die er zum Teil auf der Anatomenversammlung 1899 vorzeigte. Anfang des 20. Jahrhunderts nahm er an einer anthropologischen Forschungsreise nach Abusir el meleq teil von der er eine größere Anzahl ausgegrabener frühägyptischer Schäldel mitbrachte, die später dem Anthropologischen Institut übergeben wurden.

aus: Klaus D. Mörike: Die Geschichte der Tübinger Anatomie, Tübingen, Mohr-Verlag 1988 (Teilweise online 1. 9. 2017: Google Books Seite 73 und 74)

 

Ein ausführlicher Nachruf zu Müller, mit Aufzählung sämtlicher wissenschaftlicher Arbeiten, verfasst von Hans Rabl finden Sie im Anatomischen Anzeiger, Band 77, Seite 261-272, Gustav Fischer Verlag Jena, lagernd in der Bibliothek der Medizinischen Universität Graz

 

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