Gottfried Schatz Research Center | Makroskopische und klinische Anatomie

Medizinische Universität Graz

Leitbild

Das Institut heute

Mit 6. Mai 2015 wurde das Institut für Anatomie in "Institut für makroskopische und klinische Anatomie" Graz umbenannt um seinen weltweit anerkannten Status und Schwerpunkt noch stärker zu positionieren. Der Anatomieunterricht in Graz begann 1771 in der Totenkammer am ehemaligen St. Georgfriedhof (jetzt Volkgarten). Während des Wundärztlichen Lyceums bestand ein eigenes Gebäude im ehemaligen Allgemeinen Krankenhaus (jetzt Bundespolizeidirektion am Paulustor). Seit der Errichtung des ersten universitären Institutsgebäudes für Anatomie und Physiologie, 1870 – 1872, befindet es sich in der Harrachgasse. Bis 2. Dezember 1999, dem Inkrafttreten des UOG 1993 hieß es "Anatomisches Institut" und besteht in seiner derzeitigen Form als eigenständiges universitäres Institut seit der Gründung der Medizinischen Fakultät, 1863. 
Das Institut ist in keine Abteilungen gegliedert, es gibt aber eine Reihe von Arbeitsgruppen (Anatomie und bildgebende Verfahren, Anatomie und Unfallchirurgie, Biomechanik, Entwicklung von Operationstechniken und Plastination).

Das Institut für makroskopische und klinische Anatomie vertritt an der Medizinischen Universität Graz das Fach Anatomie als medizinisches naturwissenschaftliches Grundlagenfach. Es befaßt sich in der Lehre wie in der Forschung mit dem makroskopischen Bau des menschlichen Körpers unter systematischen, topographischen, funktionellen und kausalen Gesichtspunkten. Die anatomischen Lehrinhalte vermitteln gleichzeitig Grundprinzipien der naturwissenschaftlich begründeten Medizin. Durch die Vermittlung der anatomischen Terminologie erfolgt die Einführung in Prinzipien der medizinischen Sprache, welche eine wesentliche Grundlage in der Vermittlung medizinischer Fachinhalte darstellt und die Basis für die internationale medizinische Kommunikation bildet.
Über die Leiche gewinnt der Studierende schon am Studienbeginn Kenntnisse und Vorstellungen über Form und Funktion des Lebenden und erfährt seine erste Schulung in naturwissenschaftlicher Denkweise. Mit den ersten angeleiteten Eingriffen in den menschlichen Leichnam werden die Studierenden mit dem ethischen Handeln vertraut gemacht. Somit hat die Anatomie auch in diesem Sinne eine Schlüsselposition inne, als sie die zukünftigen Ärzte auf ethische Verhaltensnormen und Sozialverhalten vorbereitet.

Das Institut für makroskopischer und klinischer Anatomie bedient sich zur Erfüllung seiner Aufgaben spezieller Methoden, wie der Sektionen, kunstgerechter Leichenöffnungen und Untersuchungen der Körperhöhlen und Organe, Präparationen der verschiedenen Strukturen, der Konservierung von Leichen, bildgebender Verfahren, beinhaltend die computergestützten 3-D – Rekonstruktionen von CT-Daten sowie Animationen von Entwicklungs- und Bewegungsabläufen, der verschiedensten Injektionstechniken als Ausgußverfahren für Körperhohlräumen, Blut- und Lymphgefäßen, der Plastination von Organen, der Erfassung und Darstellung biomechanischer Abläufe, der Untersuchung der anatomischen Grundlagen chirurgischer und vieler anderer medizinischer Fachgebiete im klinischen Kontext und der Durchführung von Sezierübungen. Das wissenschaftliche Fach der Anatomie wird von keinem anderen Fach der Medizinischen Universität Graz abgedeckt und unterscheidet sich von den anderer Institute, die Leichenöffnungen durchführen durch die inhaltlichen Ziele. In der Pathologie werden Leichenöffnungen zur Feststellung der Todesursache, in der Gerichtsmedizin zur Feststellung der Todesursache durch allfälliges Fremdverschulden durchgeführt, in der Anatomie jedoch zur Vermittlung der nicht krankhaft veränderten makroskopischen Anatomie des menschlichen Organismus.

Das Institut für makroskopischer und klinischer Anatomie Graz genießt ungebrochen bereits seit Jahrzehnten ein international hohes Ansehen, das sich auf die besondere Qualität der Ausbildung, seiner modernen technischen Möglichkeiten und der klinisch-praktischen Orientierung begründet. Ein weltweiter Bekanntheitsgrad wurde in den letzten Jahrzehnten durch die Konservierungsmethode nach Thiel erreicht, durch die an der Leiche ähnliche Bedingungen wie am Lebenden hinsichtlich Farbe und Konsistenz erzielt werden (THIEL-Atlas – siehe Fortbildung:Bücher). Damit sind die besten Voraussetzungen zur Durchführung von Präparationen und überdies zur Erprobung von Operationsmethoden sowie zum Erlernen neuer Operationstechniken geschaffen. Weltweit wurde diese Methode von vielen Instituten (z.B.: Thiel-Cadaver-Center der Unversity of Dundee) übernommen. Viele der Fachvertreter haben sie in Graz erlernt.

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Schwerpunkte

Das Institut für makroskopische und klinische Anatomie Graz hat als bestehende Schwerpunktsetzung die funktionelle, topographische und klinisch angewandte makroskopische Anatomie. Der eingeschlagene Weg hat sich in den letzten Jahren für das Renommee des Institutes bestens bewährt und soll auch künftighin beschritten werden, wobei diese Schwerpunkte - wie durch die neue Bezeichnung hervorgehoben - noch stärker betont werden sollen.

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Forschung

Die Leistungen des Institutes für makroskopische und klinische Anatomie hinsichtlich der Forschung betreffen vor allem biomechanische und funktionelle Untersuchungen, injektionstechnische Untersuchungen am Gefäßsystem, röntgenanatomische und sonographische Untersuchungen des aktiven und passiven Bewegungsapparates sowie des Gefäß- und Nervensystems, röntgenanatomische Untersuchungen der Hohlräume und Kanalsysteme des Schädels sowie der Weiterentwicklung der Konservierungs- und Plastinationsverfahren. Das Institut für makroskopische und klinische Anatomie unterhält enge Beziehungen und Kooperationen zu vielen Institutionen, wie inneruniversitär mit den Kliniken bzw. Abteilungen für Chirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie, Gynäkologie, Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie, Urologie, Radiologie, HNO, Augenheilkunde, Anästhesie und Kinderchirurgie, sowie inneruniversitär hinsichtlich der Unterrichtsevaluierung mit dem Institut für Psychologie (NAWI) und interuniversitär mit den Instituten für Mechanik, Baustatik und biomedizinische Techniken der TU Graz.
Darüber hinaus bestehen ebenfalls Zusammenarbeiten mit einer Reihe von weiteren österreichischen Krankenanstalten vor allem für Orthopädie und Unfallchirurgie, der Fachhochschule Öberösterreich, Meß- und Prüftechnik Wels, wie auch internationale Zusammenarbeiten mit ausländischen Institutionen (Charité Berlin, London, Knoxville, Mayo-Clinic Rochester, Münster, Zürich, Genf, Ulm uvm.).

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Lehre

Die Aufgaben und Leistungen des Institutes in der Lehre stellen einen besonderen Schwerpunkt der Institutsaktivitäten dar, die sich auf ein breites Lehrangebot stützen. Die hohe Qualität des Lehrangebotes wird deutlich durch die Teilnehmerzahl an Vorlesungen und Übungen, die jährlich von gegen 2000 Studenten wahrgenommen werden. Der wissenschaftliche Unterricht dient der Vermittlung von Kenntnissen der anatomisch - medizinischen Terminologie, der systematisch- deskriptiven Anatomie und der anatomischen Varianten, der funktionell-angewandten Anatomie, der topographischen, chirurgischen und radiologischen Anatomie und deren praktische Umsetzung in manuelle Sezierfertigkeiten zur Erlangung von dreidimensionalen Vorstellungen des menschlichen Organismus und zum Erfahren der Konsistenz von menschlichen Geweben und Organen im Rahmen der Sezierübungen.

Gute anatomische Kenntnisse dienen als unabdingbare naturwissenschaftliche Grundlage für das Verständnis der Funktionen des gesunden Körpers und seiner Organe, als Grundlage für das Verständnis von pathologischen Veränderungen, als Grundlage zur Erhebung des physikalischen Status, als Grundlage zur Durchführung von klinischen Untersuchungen, als Grundlage zur Beurteilung von Röntgenbildern und anderer bildgebender Verfahren und als Grundlage für Behandlungen, insbesondere von invasiven und chirurgischen Eingriffen aller Art. Dies gilt für alle in der Ausbildung stehenden Studierenden der Humanmedizin und Zahnmedizin, der medizinisch – technischen Akademien (Physiotherapie, Ergotherapie, MTA, RTA) und Absolventen fachverwandter und anderer Institutionen (MTF-Schule, Krankenpflege- und Massageschulen, Bundesanstalt für Leibeserziehung etc.).

Auch in der postpromotionellen Ausbildung spielt das Unterrichtsfach Anatomie eine wesentliche Rolle, wie in der Ausbildung zum Facharzt für Anatomie und als Pflichtnebenfach für die Ausbildung zum Facharzt für Chirurgie, für Plastische Chirurgie und Unfallchirurgie, sowie als Wahlnebenfach für die Ausbildung zum Facharzt für Arbeits- und Betriebsmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Gerichtsmedizin, Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Histologie und Embryologie, Hygiene und Mikrobiologie, Innere Medizin, Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Biologie, Medizinische Biophysik, Medizinische Leistungsphysiologie, Neurobiologie, Pathologie, Pathophysiologie, Pharmakologie und Toxikologie, Physiologie, Sozialmedizin und Tumorbiologie.

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Intra- & Interuniversitäre Zusammenarbeit

Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Veranstaltungen finden am Anatomischen Institut statt. Große internationale Kongresse, wie die Tagungen der International Society for Plastination 1994 und der Anatomischen Gesellschaft 1995 wurden mit großem Erfolg veranstaltet und weitere internationale Kongresse, wie demnächst der Kongress der European Association of Clinical Anatomists sind in Planung. Regelmäßig finden Workshops und Arbeitstagungen gemeinsam mit den Kliniken für Allgemeinchirurgie, Anästhesie, Unfallchirurgie und Orthopädie, HNO, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Plastische Chirurgie und der Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin statt.

Die rege Anteilnahme am internationalen wissenschaftlichen Geschehen wird auch deutlich durch eine Reihe von Mitgliedschaften der Mitarbeiter des Institutes für Anatomie, wie der European Association of Clinical Anatomists, American Association of Clinical Anatomists, British Association of Clinical Anatomists, Anatomische Gesellschaft, International Society for Plastination, Österreichische morphologische Gesellschaft, österreichische Gesellschaft für Unfallchirurgie etc., sowie von Präsidentschaften, wie der International Society for Plastination und der European Association of Clinical Anatomy. Mitherausgeberschaften bestehen bei internationalen Zeitschriften, wie der Clinical Anatomy, Surgical and Radiologic Anatomy und dem Journal of the International Society for Plastination. Gutachtertätigkeiten werden bei allen wesentlichen anatomischen Zeitschriften wahrgenommen, wie Acta Anatomica, Anatomical Record, Annals of Anatomy, Clinical Anatomy, Surgical and Radiologic Anatomy und dem International Journal for Plastination

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